Wie funktioniert die neurologische Frühreha?

Shownotes

Dr. Melanie Maria Steup Oberärztin Neurologie Frührehabilitation Asklepios Klinik Altona in Hamburg https://www.asklepios.com/altona/abteilungen-spezialistinnen/spezialistensuche/profil/dr-med-melanie-maria-steup-36384

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00:00:00: Wie funktioniert die neurologische Früh-Reha?

00:00:03: Guten Tag und herzlich willkommen zur Klinik Sprechstunde.

00:00:07: Dem Asklepios Gesundheits Podcast mit Kirsten Kahler und Ärztinnen und Ärzten der Asklepeos Kliniken.

00:00:16: Nach einem Schlaganfall oder einer neurologischen Erkrankung will man möglichst schnell wieder sprechen, schlucken und gehen können.

00:00:23: Die neurologische Frühreha ist hierfür eine entscheidende Phase.

00:00:28: Wie sie funktioniert, sagt uns Dr.

00:00:30: Melanie Stolp.

00:00:31: Sie ist Leiterin der neurologischen Frührehar in der Astleopias-Klinik Altonaar.

00:00:36: Ja, die neurologische Frühjahre ist

00:00:41: eine ganz wichtige Phase.

00:00:45: Sie ist im Prinzip ein Bindeglied zwischen der akuten Krankheitsphase und dann dem Leben wie es weitergeht.

00:00:53: Das heißt ... Es ist wichtig, dass wir gucken, wie ist denn überhaupt die Prognose?

00:00:57: Oft ist das direkt nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung gar nicht klar.

00:01:03: Und dafür ist auch die Frühjahr da.

00:01:06: Ja!

00:01:07: Und sie ist so ne Art ... Erste Aktivierung, oder?

00:01:11: Kann man das so sagen.

00:01:12: Richtig!

00:01:12: Genau also es geht im Prinzip direkt los mit Therapien, mit Aktivierungen durch TherapeutInnen, durch die Pflegekräfte aber auch die ja ganz speziell geschult sind eben für solche Patientinnen.

00:01:26: und genau wir legen dir direkt los.

00:01:28: Ja um welche Fertigkeiten oder Fähigkeiten geht es da für den Patienten?

00:01:36: Ja letztendlich geht Darum wieder seine Alltagsfähigkeit zurückzuerlangen.

00:01:42: Nach dem Schlaganfall hat man oft Lähmungen, man hat Sprachstörungen und Schluckstörung.

00:01:47: Also können sich ja ganz viele Symptome dann nachher zeigen.

00:01:52: Und es geht eben darum, dann wieder irgendwie eine Alltagesfähigkeit im besten Fall zu erlangen?

00:01:58: Ja, sprechen, schlucken ... und sich bewegen wahrscheinlich auch.

00:02:02: Was haben denn die Patienten hinter sich, die bei ihnen sind?

00:02:06: Was sind das für Krankheitsbilder?

00:02:08: Was ist mit denen passiert?

00:02:09: im Laufe der letzten Wochen vielleicht?

00:02:15: Ja also das häufigste sind tatsächlich Patienten, die einen akuten Schlaganfall erlitten haben oder eine Hirnblutung, sei es jetzt eine spontane Hirn-Blutung aber eben nach Unfällen.

00:02:26: Der Klassiker ist ja leider der unbehähmte Fahrradunfall Und solche Patienten kommen dann eben ins Krankenhaus, werden akut behandelt und haben teilweise gar nicht so eine lange Phase bis es in die Frühreha übergeht.

00:02:40: Sondern werden teilweise sogar schon auf der Überwachungsstation, auf der Schlaganfallstation in dieses Rehabprogramm sozusagen eingeschlossen?

00:02:48: Ja!

00:02:49: Was können sie und was können die nicht wenn man das mal so salopp sagen kann?

00:02:55: Also unsere Patienten im Speziellen sind ... In der Regel bei Bewusstsein.

00:03:01: Wobei dieses Bewusstsein nicht immer bedeutet, dass sie auch ihre Umwelt so wahrnehmen wie du und ich.

00:03:08: Sie haben häufig schwere Lähmungen, Schluckstörungen müssen vielleicht sogar künstlich ernährt werden.

00:03:16: Haben Sprechstörung, Sprachstörerungen ... Das sind so die, sag ich jetzt mal, die Hauptsymptome?

00:03:24: Ja!

00:03:25: Und ähm ... Wie ... Können Sie dann helfen?

00:03:30: Oder wer sind überhaupt sie, also wie ist das Team.

00:03:33: Wer spielt da alles mit?

00:03:34: Ja es ist ein großes Team aus vielen Disziplinen.

00:03:37: Also wie schon gesagt die Pflege spielt eine ganz große Rolle.

00:03:41: Dann sind es Therapeutinnen, also PhysiotherapeutInnen Ergotherapeut Innen LogopädInnen Aber auch NeuropsychologInnen.

00:03:50: Das spielt auch eine Rolle.

00:03:51: und ja dann sind wir Ärzte eben auch noch mit dabei um sozusagen den medizinischen Behandlungsbedarf abzudecken.

00:04:00: Was macht der Logopäde?

00:04:03: Die Logopädinnen gucken zum einen, wie funktioniert?

00:04:07: der Schluckakt beim Patienten ist ja ganz wichtig.

00:04:11: das Schlucken ist ein ganz komplexer Vorgang den wir einfach so machen Der aber, wenn er gestört ist einfach gefährlich ist für den Patienten.

00:04:20: Weil durch Verschlucken kannst du Lungenentzündung kommen.

00:04:23: das heißt es muss sichergestellt sein dass der Patient schlucken kann und dann wird eben geguckt wie kann er schlücken?

00:04:32: Was kann er schlecken?

00:04:34: Kann er ganz normal essen oder nicht?

00:04:38: Aber das andere ist auch die Sprache wird trainiert in der Logopädie

00:04:43: Ja, die ja glaube ich nach Schlag anfällen.

00:04:46: Wo es glaube ich gar nicht so sehr darum geht dass man die Worte nicht bilden kann sondern sie fallen eben nicht ein glaube ich oder?

00:04:52: Es gibt zwei Arten dieser Aphasie nennen wir das und entweder kommen beides zusammen also eine Mischung aus.

00:05:01: Ich kann die Werte sozusagen nicht formen weil mir die Motorik dafür fehlt Oder eben, ja sie fallen mir nicht ein.

00:05:08: Es kommt zu Wort Verwechslungen oder es gibt eben auch sozusagen zwei getrennte Arten von Auffasi und das eine führt oder das andere führt.

00:05:17: Und dann werden dazu Übungen gemacht diesen... diesen Mundbereich im weitesten Sinne wieder in den Besitz zu nehmen wahrscheinlich.

00:05:26: So kann man es sagen, ja.

00:05:27: Was macht der Ergotherapeut?

00:05:29: Das frage ich mich jetzt oft.

00:05:31: Ja, Ergoterrapoit-Innen sind im Prinzip diejenigen, die den Patientinnen helfen, Alltagsfähigkeiten wiederzuerlangen.

00:05:39: also alles was wir so alltäglich tun uns waschen und versorgen das Besteck benutzen Das sind Alltagsfähigkeiten, die die Patienten zum Teil erst wieder erlernen müssen.

00:05:52: Sie sich anziehen wahrscheinlich auch so ein

00:05:55: Beispiel.

00:05:56: Erlernen in Bezug auf körperliche Koordination oder in Bezug auf Planung im Kopf?

00:06:05: Alles.

00:06:06: Es fängt an bei gelähmten Extremitäten wo ich natürlich dann erst mal lernen muss, na wie ziehe ich mich denn jetzt mit nur einer funktionierenden Hand oder einem funktionierende Arm an.

00:06:19: Aber eben auch die Koordinierung von vielleicht nicht vollständig gelähmten Extremitäten also all das wird so trainiert dass die Patientinnen eben sozusagen ihr Handicap zumindest kompensieren können wenn die Lähmung eben zumindest in Teilen bleibt.

00:06:40: Es gibt ja auch Neuropsychologen bei Ihnen im Team.

00:06:43: Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass der Patient vielleicht noch gar nicht so sehr ... oder die Patientin gar nicht ansprechbar ist in dem Moment.

00:06:50: Also schon wach?

00:06:53: Aber nicht, dass man sich mit ihr ... Oder mit Ihnen sonderlich gut unterhalten könnte.

00:06:59: Welche Rolle spielt denn Neuropsychologe?

00:07:02: Unsere Neuopsychologinnen würden jetzt in diesem Fall auch einbezogen in die Angehörigenarbeit.

00:07:08: Weil man muss ja sagen, unsere Patientinnen sind über viele Wochen bei uns.

00:07:12: Und das ist nicht nur für den Patient die Patientin eine schwierige Phase sondern auch für die Angehörigen.

00:07:20: Das heißt wir versuchen dann eben auch die An gehörigen in die Therapien zumindest in Teilen einzubeziehen und da spielen unsere Neuropsychologinnen auch ne große Rolle.

00:07:29: Ja ... Angehörtige überhaupt dieses einbeziehende Angehöhrigen, du musst ich mir das so vorstellen?

00:07:37: Also wie versuchen Sie natürlich immer abzuholen.

00:07:39: Immer ins Boot zu holen, über den Stand der Dinge aufzuklären?

00:07:45: Es ist einfach eine lange Krankheitsphase und es braucht auch Zeit bis man vielleicht das wahrhaben will dass vielleicht mein Angehöriger oder meine Angehörtige nicht mehr wieder in den Zustand kommt akuten Erkrankungen war.

00:08:04: Und da versuchen wir sie eben mitzunehmen und dann auch zusammen mit den Patientinnen, soweit Sie es selber auch entscheiden können, für die Zukunft Ziele festzulegen.

00:08:15: Aha!

00:08:15: Das heißt also man entweder mit den Angehörigen oder wenn's geht mit dem Betroffenen selbst schon mal so gemeinsam zu erfühlen was am Ende am schönsten dabei rauskommen soll.

00:08:29: So ungefähr.

00:08:30: Das ist ja ganz wichtig, leid

00:08:31: um so ein Ziel auch zu formen wahrscheinlich mit allen Sinn?

00:08:34: Ist das das Thema für Sie?

00:08:37: Genau also es ist nicht nur für uns sondern eben auch die Patientinnen müssen natürlich wissen oder die Angehörigen wo geht's denn im besten Fall hin?

00:08:46: Können wir das nie garantieren, dass wir da hinkommen?

00:08:49: Aber wir versuchen es zumindest.

00:08:51: Ja genau also das interessiert mich ja auch noch mal sehr zu erfahren wieso denn überhaupt früh Reha funktioniert weil der Patient tendenziell eher weniger zum Machen scheint.

00:09:04: aber sie sind ja auch im Team und als Neurologin sagten Sie mir sind die zuständig für die Komplikationen die auftreten können.

00:09:11: Das ist ja noch ein ganz anderes Feld.

00:09:13: abgesehen vom Erfolg so eine Reha.

00:09:17: Welche Komplikationen meinen Sie damit?

00:09:20: Was wir leider häufig sehen bei unseren Patientinnen sind Infektionen.

00:09:23: Also Lungen, Entzündungen, Blasenentzündung.

00:09:29: Nach Schlaganfällen kommt es leider auch nicht selten zu Blasenden Entleerungsstörungen.

00:09:34: Viele Patienten brauchen noch erst mal einen Dauerkatheter der den Hahn ableitet.

00:09:38: Also das gehört fast zu unserem täglichen Brot, muss man sagen.

00:09:42: Und dann ist es eben auch so dass nur Blutdruckentgleisungen und Blutzucker entgleisung können auftreten all das.

00:09:49: Es fällt in unseren Aufgabenbereich um das zu behandeln an

00:09:53: also die medizinische Seite sozusagen und dann ja auch als Anbindung hinein ins Krankenhaus.

00:10:00: Das ist ja noch der große Vorteil, dass dahinten dran ein großes Krankenhaus steht

00:10:04: Absolut, genau.

00:10:05: Also das ist wirklich so ... unsere Patienten sind einfach eben noch so schwer krank, dass sie diesen Behandlungsbedarf im Krankenhaus haben.

00:10:14: Ja.

00:10:14: Ähm ja.

00:10:17: aber jetzt die Frage warum funktioniert Fruria überhaupt?

00:10:21: Wie kann das sein?

00:10:23: Na ja was wir uns im Prinzip zu nutzen machen is die Plastizität des Gehirns.

00:10:28: Wir versuchen durch Stimulation und auch wenn es eben Eine passive Stimulation ist, weil der Patient vielleicht noch gar nicht so mitmachen kann.

00:10:37: Versuchen wir eben eine Regeneration von Nervenbahnen zu erreichen und leider können wir immer noch keine Nervenzellen erneuern.

00:10:47: aber wir können dafür sorgen dass sich Synapsen neu bilden also diese Verbindungen von verschiedenen Nerven zählen Und die Hoffnung ist dann eben das sich Funktionen wieder herstellen lassen oder dass zumindest eben eine Kompensation durch andere Gehirnareale sozusagen dann irgendwie auftritt, damit sich der Patient dann in seiner Verfassung verbessert.

00:11:13: Ja und ich glaube auch das kann sehr weit gehen oder?

00:11:16: Also wenn durch eine Durchblutungsstörung Teile des Hirns nicht mehr aktiv sind, dass dann andere Hirnareal sehr wohl genau dieselbe Fähigkeit wieder erbringen können.

00:11:28: Ja, es hat natürlich alles seine Grenzen und man muss leider auch sagen ist das leider sehr altersabhängig.

00:11:33: Also wir wissen dass jüngere Gehirne da durchaus zu mehr im Stande sind als ältere Gehirne.

00:11:40: aber ja es ist so, dass eben andere Gehirnteile Funktionen übernehmen können zumindest teilweise

00:11:51: oder die Patientinnen sind relativ recht lange bei Ihnen, also vier bis sechs Wochen haben Sie vorhin gesagt.

00:12:01: Vorhin haben wir gesagt, man kann so eine Prognose dann stellen für den Patienten wenn man ihn erlebt aber die wird ja nach einer Woche anders aussehen vielleicht als nach Vier.

00:12:13: Also wie entscheiden sie, wie sie jedes Mal mit ihm weitermachen?

00:12:17: Also da arbeiten wir eben sehr eng im Team zusammen treffen uns einmal die Woche und jeder aus dem Team berichtet einmal, wie der Verlauf der letzten Woche war.

00:12:29: Ob es Fortschritte gab, Rückschritten ... Und so erarbeiten wir uns das Ziel für die kommende Woche.

00:12:36: und dann sehen wir eben, gibt's Woche-für-Woche-Fortschrite.

00:12:39: Das wäre natürlich das Optimum.

00:12:41: oder aber wir sehen irgendwann, dass es ein bisschen stagniert und dass einfach dann das Rehabpotenzial für den Moment leider ausgeschöpft ist.

00:12:50: Ja, um was passiert da?

00:12:53: Dann setzen wir uns im Team zusammen, im besten Fall mit den PatientInnen und mit deren Angehörigen.

00:12:59: Und überlegen wie es bestmöglich weitergehen kann nach der Krankenhausentlassung.

00:13:04: Also die Entlassung wird wirklich geplant!

00:13:08: Das heißt also wenn man hat die akute Phase hinter sich jetzt hat man diesen Bereich der Frührehabilitationen ausgeschöpft.

00:13:23: Was könnten denn jetzt die Wege sein, in denen es weitergeht?

00:13:28: Also im besten Fall haben die Patienten so gute Fortschritte gemacht, dass sie in die nächste Reha-Phase kommen können.

00:13:35: Also klassische

00:13:36: Rehaklinik...

00:13:37: Genau!

00:13:38: Sie haben schon in Teilen zumindest eine Selbstständigkeit wieder erlangt.

00:13:42: und genau das kann dann weitergehen in einer klassischen Rehakklinik oder aber wenn eben dieses diese Schwelle nicht erreicht werden konnten, weil die Patienten eben diese Fähigkeiten nicht erlangen konnten über die Zeit der Frühreha.

00:13:56: Dann geht es um die häusliche Versorgung, sprich in ein Pflegeheim beispielsweise oder auch in die häussliche Versorgen zu Hause und in der Familie mit Hilfe eines Pflegedienstes und entsprechender Hilfsmittel.

00:14:10: Und da versuchen wir aber bestmöglich zu begleiten.

00:14:13: Wir haben einen Sozialdienst, Angehörigen, die Patientinnen berät und eben sich drum kümmert.

00:14:19: Dass alle gut versorgt sind mit Hilfsmitteln Und das ist so unser Konzept.

00:14:24: also es wird kein Patient dann einfach sozusagen vor die Tür gesetzt Sondern wir möchten gerne dass die Patienten bestmöglich auch ambulant weiterversorgt werden.

00:14:33: ja hilft der ja Sozialdienst auch dabei Vielleicht einen neuen Also tatsächlich eine Pflegeeinrichtung zu finden

00:14:42: absolut.

00:14:44: Also es ist wirklich so, dass wir dann mit den Angehörigen da aber auch im ganz engem Austausch sind.

00:14:50: Welche Pflegeeinrichtungen kommen denn vielleicht aufgrund der Örtlichkeit schon allein in Frage?

00:14:56: Und die haben da immer Mitspracherecht!

00:14:58: Das ist ganz wichtig.

00:15:00: Ja vielen Dank für das interessante Gespräch.

00:15:04: Sehr gerne.

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