ADHS und Autismus auf Social Media - informativ oder gefährlich?
Shownotes
Privatdozentin Dr. Mandy Roy Leitende Oberärztin in der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll in Hamburg https://www.asklepios.com/konzern/standorte/expertensuche/profil/pd-dr-mandy-roy-19818
Privatdozent Dr. Daniel Schöttle Chefarzt in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Asklepios Klinikum Harburg in Hamburg https://www.asklepios.com/harburg/abteilungen-spezialistinnen/spezialistensuche/profil/pd-dr-daniel-schoettle-28379
Dr. Mandy Roy und Dr. Daniel Schöttle sprechen über Chancen und Risiken psychologischer Inhalte auf Social Media. Dabei geht es um Fehlinformationen, Selbstdiagnosen, die steigende Nachfrage nach Diagnostik sowie die Frage, warum einzelne Symptome allein noch keine Diagnose wie ADHS oder Autismus rechtfertigen. Außerdem geht es um moderne Diagnoseverfahren im Erwachsenenalter, Behandlungsmöglichkeiten nach einer gesicherten Diagnose und den verantwortungsvollen Umgang mit Informationen aus dem Internet. Gut gemachte Aufklärung kann helfen, entscheidend ist jedoch, seriöse Quellen von vereinfachten oder zugespitzten Darstellungen zu unterscheiden. Denn wer sich in einem Social-Media-Beitrag wiedererkennt, hat nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Gleichzeitig kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf ADHS oder Autismus besteht, auch im Erwachsenenalter, und die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen.
Transkript anzeigen
00:00:00: ADHS und Autismus auf Social Media.
00:00:03: Informativ oder gefährlich?
00:00:05: Guten Tag!
00:00:06: Und herzlich willkommen zur Klinik Sprechstunde, dem Asklepios Gesundheits Podcast mit Kirsten
00:00:13: Kahler
00:00:14: und Ärztinnen und Ärzten der Asklepeos-Kliniken.
00:00:19: Hab ich ADHS?
00:00:20: ist mein Freund ein Nazist?
00:00:22: wie fühlt sich Autismus an?
00:00:24: Viele stellen sich solche Fragen und finden Antworten auf TikTok, Instagram und anderen Social Media-Plattformen.
00:00:32: Aber Studien zeigen die meisten Antworten dort sind falsch oder führen in die Irre!
00:00:37: Mehr dazu erfahren wir jetzt von Privatozentin Dr.
00:00:40: Mandy Roy, sie ist leitende Oberarztin in der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen in der Astlepios-Klinik Nordoxenzoll und Privatozent Dr.
00:00:50: Daniel Schöttler.
00:00:51: Er ist Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie am Astlepeos-Klinekom Harburg.
00:00:57: Was beobachten Sie denn auf TikTok oder anderen Social Media Plattformen?
00:01:02: Genau!
00:01:04: So Phänomene wie ADHS und Autismus, was wir ja unter Neurudiversität zusammenfassen.
00:01:10: Das sieht man schon in den letzten Jahren das deutlich an Interesse zunimmt also dass mehr und mehr Menschen darüber posten und da auch leider zum Teil viel Information dann gestreut
00:01:22: werden.
00:01:23: Was für viele Informationen?
00:01:26: Also, viele Informationen können halt sein dass Dinge relativ aus dem Zusammenhang gesessen vielleicht einzelne Eigenschaften von Menschen dort dargestellt werden und wenn das jemand jetzt guckt um sich zu informieren über diese beiden Phänomene also ADHS und Autismus.
00:01:42: Dass es doch zu undifferenziert ist daraus abzuleiten dass allein diese Facette dass man vielleicht ungeduldig ist, dass man da schon ableiten könnte dass man selber vielleicht eine adhs hat.
00:01:55: ja Dr.
00:01:56: Schottle, was beobachten Sie denn?
00:01:58: Ihr lebt es eh nicht, dass es eine Fülle an Informationen gibt immer mehr Content da auch kreiert wird über psychische Erkrankungen vor allem aus dem Bereich Neurodivergenz also ADRS Autismus Und kann auch positiv das so sehen, dass Menschen an Informationen kommen die normalerweise vielleicht gar nicht so mit Information über psychische Erkrankungen versorgt werden beziehungsweise sich kümmern würden.
00:02:21: Das Ganze hat auch einen enstigmatisierten Charakter wenn dann Betroffene selber aus ihrer Erfahrung berichten.
00:02:27: kritisch wird es halt was du sagst auch wenn dann subjektives erleben dann als reines Faktenwissen geschildert wird in der Gesamtkontext halt auch unzureichen geschilderd wird.
00:02:39: Aber es kann dazu führen, dass Menschen vielleicht auch bei sich selber erst mal auf die Idee mit allen Vor- und Nachteilen auf die Ideen kommen.
00:02:46: Dass da möglicherweise was bei ihnen vorliegt aus dem Bereich.
00:02:50: Gut das heißt das Ganze hat also einen positiven Effekt.
00:02:53: Also Aufmerksamkeit Vielleicht ein bisschen Aufklärung auf jeden Fall Interesse, dass man sich noch einmal woanders vielleicht informiert oder vielleicht auch so ein bisschen Unterscheidungen treffen kann von sich aus.
00:03:05: Ich würde ganz gern nochmal bei den Nachteilen bleiben.
00:03:09: Also Sie sagen ja, dass man zum Beispiel vermischt normales Verhalten mit vielleicht schon krankhaften Verhalten.
00:03:17: Wenn wir da jetzt zum Beispiel suchen, zum Beispiel Autismus... wie definiert man denn überhaupt Krankheit?
00:03:24: Also letztlich jede Krankheit hat ganz spezielle Symptome, wo es gut ist wenn man auch nicht nur ein einzelnes Symptom genannt bekommt sondern wirklich die Füller an Symptomen weiß.
00:03:34: Also das ist ja wie gesagt eine Zusammensetzung von Symptoms.
00:03:37: also zum Beispiel wenn es um Autismus geht da Nicht nur das Symptom, dass man vielleicht Schwierigkeiten hat in Kontakt mit anderen Menschen.
00:03:47: Sondern es gehören auch andere Phänomene dazu.
00:03:49: Dass man zum Beispiel Schwierigkeit mit spontanen Veränderungen hat und einen besonderen Interessensgebiet oder empfindlich auf bestimmte Sinnesreize reagiert.
00:04:00: Das ist schon mal wichtig für die Definition von Erkrankung.
00:04:05: Welche Symptome gehören eigentlich dazu, wie ist das Gesamtbild?
00:04:08: Und es ist eben auch wichtig dass es beim Menschen schon zur Beeinträchtigung und Leidensdruck führt.
00:04:15: Die Eigenschaften eben nicht nur da sind aber der Mensch eigentlich Problem muss damit klarkommen dann würde man nicht unbedingt von einer Erkrankung sprechen sondern dass halt wirklich auch beeinträchigungen im Alltagsleben bestehen.
00:04:28: Das hat etwas gefährliches wenn man nur Symptomen rausnimmt und die dann irgendwo attribuiert passend zu der psychischen Erkrankung auch wäre.
00:04:36: Es muss dann schon ein gewisses Symptom oder ein gewisses Klass da auch sein und wie du sagst, der Leidensdruck muss halt vorhanden sein.
00:04:42: oder die Einschränkung in mehreren Lebensbereichen allein dass man Symptome hat sehr viele die jeder an sich auch erkennen kann.
00:04:51: möglicherweise heißt aber noch lange nicht das eine psychische Erkankung ist.
00:04:55: also musste auch sehr aufpassen Vielleicht übliche Verhaltensweisen pathologisiert werden, die einfach Teil des menschlichen Spektrums sind und gar nicht den Störungsbegriff oder Erkrankungsbegriffe dann auch erfüllen in ihrer Zusammenschau.
00:05:09: Achso Sie meinen dass jemand immer zappelig ist oder sich nicht konzentrieren kann?
00:05:13: Und man sagt ah da hat ja ADHS
00:05:18: Das Spektrum ist halt sehr weit, was so normalen Anführungszeichen ist.
00:05:22: Man muss da aufpassen, es gibt Menschen, die sind eher aktiver, verlegt andere, die haben eine kürzere Aufmerksamkeit und Spanne.
00:05:28: Das heißt nicht, dass diejenigen auch ein ADHS haben oder umgekehrt.
00:05:32: Oder das ist ja auch eine gewisse Entwertung, als wenn man dann sagt alles sind irgendwie ein bisschen ADHS-sig und man nimmt es gar nicht ernst.
00:05:38: Sondern das gehört wirklich dazu, dass gewisse Symptome erfüllt sind, auch schon seit der Kindheit bei ADHS beginnt und dass sie zu einer Beeinträchtigung in verschiedenen Lebensbereichen führen.
00:05:50: trotzdem auch stärkend damit einhergehen können, aber es muss halt beides irgendwo erfasst werden.
00:05:55: Ja
00:05:56: jetzt gerade wo wir bei ADAS sind Sie haben ja im April twenty-sixundzwanzig ein Buch geschrieben über ADAS im Erwachsenenalter.
00:06:04: und wenn wir jetzt davon ausgehen dass Social Media das Interesse erhöht an solchen Dingen hat es dann überhaupt Sinn sich als Erwachsender nochmal testen zu lassen?
00:06:13: Ich glaube es hat absolut Sinn viele Erwachsene die dann kommen, die jahrelang mit einem unentdeckten ADRS haben.
00:06:20: Vielleicht auch mit den Folgen der ADRS-Haben, hohe Anpassungsleistung zeigen, die vielleicht auch irgendwann mal zu einer Erschöpfung führen oder zu Begleiterkrankungen profitieren, sehr davon zu wissen dass sie eine ADRS habe und vielleicht ein Stück weit in Erklärungsmodellen können damit dann auch arbeiten mit dem was in ihrem Leben passiert ist.
00:06:38: Also lohnt es sich auf jeden
00:06:40: Fall?
00:06:40: Das lohnt sich absolut.
00:06:41: Und man hat dann natürlich mit einer Diagnose Anspruch auf Hilfe, sei das jetzt... dass man sich informiert, dass man Psychotherapie macht oder auch eine Medikation dann eindämmt.
00:06:53: Auf Social Media wird ja auch viel.
00:06:55: Wie soll ich sagen, es wird ja viel zugespitzt.
00:06:58: Die mittleren Grauertöne fallen dann so raus... Mir fällt ein Autismus zum Beispiel etwas Schillerndes.
00:07:06: Autismus ist eines ihrer großen Fachgebiete.
00:07:13: Viele sagen eine Inselbegabung, das Kind kann so viel ... Es ist etwas was ihnen auch begegnet.
00:07:20: also dass da etwas überhöht wird positiv?
00:07:23: Ja, das ist schon noch etwas was landläufig häufig gedacht wird.
00:07:29: Typische Eigenschaft von Menschen im Autismus-Spektrum ist.
00:07:32: Aber das ist es eben nicht, also ähnlich wie Inselbegabungen wird dann auch häufig gedacht alle Menschen mit dem Autismus und Mathe genießt aber das ist natürlich auch... Also dieses Schubladendenken, die müssen nicht der Fall.
00:07:44: eine Insel-Begabung im eindlichen Sinn, dass ist eigentlich eher selten muss man sagen.
00:07:49: Menschen im autismen Spektrum haben häufig besondere Interessen.
00:07:53: das stimmt schon, dass sie Interessensgebiete haben wo sie sehr viel Zeit mit verbringen.
00:07:59: Aber es bedeutet nicht, dass da auch automatisch eine ganz besondere Begabung mit einer hergeht.
00:08:04: Und ist das dann für die Betroffenen oder für die Angehörigen der Betroffenin?
00:08:09: hat das negative Folgen?
00:08:10: Dass diese Überhöhungen so dargestellt werden?
00:08:14: Ja also das ist tatsächlich etwas was auf Social Media auch häufig durchaus gepostet wird, was ich auch gut finde.
00:08:22: Dass Betroffene diese Problematik äußern weil es einigen passiert dass sie dann immer wieder gesagt bekommen ach du bist autistisch hätte ich jetzt gar nicht gedacht das sieht man dir aber gar nicht an.
00:08:32: oder Also kann ich mir gar nicht vorstellen, dass du autistisch bist.
00:08:36: Und vielleicht um da noch mal so einen kleinen Bogen zu schlagen, Autisten haben auch die Eigenschaften, dass sie häufig verhaltensweisen, die erwartet werden, auch an den Tag legen können.
00:08:46: Wir nennen das Maskieren.
00:08:48: Das ist eine Fähigkeit über die Sie verfügen und es ist natürlich aber für die Personen dann wiederum kränkend wenn sowas gesagt wird.
00:08:56: Auch Mensch, das sieht man dir aber gar nicht an oder das hätte ich gar nicht gedacht weil denn häufig eben sowas mitschwingt.
00:09:02: Ich glaube ehrlich gesagt gar nicht, dass du einen Autismus hast.
00:09:06: So eine
00:09:06: Verurteilung?
00:09:08: Ja genau so eine Bagatellisierung das eigentlich ein Leidensdruck ist.
00:09:11: und das ist eben die Problematik.
00:09:13: wenn gedacht wird Autismus geht immer mit bestimmten Begabungen oder wahnsinnig hohen Intelligenz einher und Betroffene erfüllen das dann sozusagen nicht.
00:09:24: Dann ist es häufig, dass was die Betroffenen erleben, dass dann halt auch die Diagnosenfrage gestellt wird.
00:09:30: Ja nur von Freunden und Bekannten?
00:09:33: Oder aus der Familie?
00:09:35: Also, dass auch Eltern dann sagen du hast ja gar nichts.
00:09:37: Das ist recht unterschiedlich dann wie es dargestellt wird.
00:09:40: aber gerade zu die Aberkennung von dem was es vielleicht auch an subjektiven Barrieren gibt oder Einschränkungen oder Leidensdrucker der dann irgendwie kompensiert wird und durch erlernte Verhaltensweisen oder Kompensation Strategien das ganze halt nach außen nicht so auffällt.
00:09:56: Es wird häufig den Betroffenen gerecht Weil die Anstrengung, der hintersteckt ist oft beträchtlich.
00:10:03: Und viele erfüllen halt nicht die Klischees- oder Stereotypenvorstellung wie der oder die Autistin oder Autist auch es, sondern sind teilweise recht unauffällig im sozialen Leben und es fällt erst bei genauer Betrachtung
00:10:17: auf.
00:10:18: Tatsächlich ist das auch so... Es ist nicht nur Freund oder Familie, das sind zum Teil Fachleute.
00:10:23: Das sind auch Personen aus dem medizinischen Bereich bekommst du wahrscheinlich auch öfter mal von deinen Patienten zu hören, ich auch.
00:10:31: Das ist auch zum Beispiel Hausärzte oder auch andere Psychotherapeuten irgendwie sagen, das könnt ihr mir aber gar nicht vorstellen dass bei ihnen Autismus vorliegt.
00:10:40: Ich
00:10:40: finde jetzt ja auch ein Begriff der Mode Diagnose wieder und da kann man auf der einen Seite natürlich sagen okay durch soziale Medien kommen alle in Anführungszeichen auf die Idee, dass sie jetzt irgendwie im ADS-Autismus Spektrum sind.
00:10:52: Da kommt dann viel zu viele zur Diagnostik.
00:10:54: Da ist auch was dran und gleichzeitig Modediagnose impliziert dass es eigentlich keine richtige Diagnose wert ist.
00:11:03: Jeder irgendwie das Ganze so bei sich selbst entdecken kann und das trifft es halt auch überhaupt nicht.
00:11:08: Es wird viel zu häufig, viel zu wenig diagnostiziert übersehen, verbirgt sich hinter anderen psychischen Erkrankungen und teilweise – das könnte man auch als Vorteil sehen – kommen Betroffene selber erst auf die Idee vielleicht auch durch Informationen im Internet oder in sozialen Medien.
00:11:24: da könnte bei mir was aus dem Bereich vorliegen und therapeutisch wird dann nochmal genauer hingeguckt ist er etwas dran?
00:11:33: weniger was dran.
00:11:34: Also es kann auch in diese Richtung gehen und Modediagnose, finde ich wird dem halt nicht gerecht dass viele unentdeckt dann in der Behandlung sind uns übersehen wird.
00:11:44: Und das ist aber auch ein Stück weit das Spannungsfeld was Social Media kreiert.
00:11:48: gerade weil da so viel über Autismus und ADHS Content erstellt wird glaube ich, das befeuert so ein bisschen den Eindruck von Kritikern.
00:12:00: Das ist eben eine Modi-Diagnose hat und weil es... also das ist ne Modi Diagnose ist, weil eben ganz viele darüber posten und selber davon betroffen sind dass dann plötzlich der Eindruck entsteht, hochgeteilt hat ja jeder irgendwie einen ADHS und Autismus was eher glaube ich dann ein bisschen emotional gespeist ist und gar nicht so von Zahlen unterliegbar ist.
00:12:22: Naja, nun sind psychiatrische Themen insgesamt natürlich auch nicht so... Ich sag jetzt mal wie ein gebrochenes Bein zu erkennen.
00:12:31: also darum wird da ja wahrscheinlich noch viel mehr Vermutungen angestellt werden.
00:12:35: Das stimmt.
00:12:36: aber ich glaube das können wir beide bestätigen dass wir schon beobachten dass gerade so am von Mode Diagnose eigentlich besonders bei ADHS und Autismus gesprochen wird.
00:12:47: Es gibt ja auch viele andere psychiatrische Diagnosen, wie zum Beispiel Depressionen sind häufig, Abhängigkeitserkrankungen sind häufig... Aber die tragen nicht so diese Überschrift der Mode-Diagnose.
00:13:00: Das ist eigentlich schon etwas was noch akzeptiert da ist.
00:13:04: Wie Daniels schon gesagt hat manchmal sehr auch für die Betroffenen frustrieren, wenn der Diagnose gar nicht ernst genommen wird und der Leidensdruck gar nicht gesehen wird.
00:13:14: Und dann nochmal um auf diese Wellen zu kommen von Modem jetzt gerade auch so in ihrem Bereich was ist denn da im Moment der angesagteste Begriff?
00:13:23: sag ich mal dass er auftaucht?
00:13:26: Genau also was jetzt gerade häufig genannt wurde ist so die Begrifflichkeit Audehrs genau.
00:13:32: man hat... Ich würde mal sagen bis vor zehn Jahren ungefähr war das so in den Diagnose-Katalogen, mit denen wir arbeiten.
00:13:43: War es definiert dass Autismus und ADHS sich gegenseitig ausschließen würden?
00:13:47: Und heute wissen wir aber, dass es eher umgekehrt ist, dass ganz viele Menschen mit einem Autismus auch eine ADHS haben und auch umgekehren.
00:13:54: Deshalb hat sich jetzt diese Begrifflichkeit AUDHS, Autismus plus ADHS entwickelt, was auch im Begriff ist der tatsächlich eher den Social Media Quellen entspringt.
00:14:07: Der jetzt eigentlich wenig wissenschaftlich genutzt wird.
00:14:09: Ich weiß nicht ob du da schon mal irgendwas von einem wissenschaftlichen Bereich gehört hast wahrscheinlich?
00:14:13: Nein es gibt eine einzige Veröffentlichung aber das ist kein offizieller Begriff in dem Sinne.
00:14:18: Es ist einfach vorliegen von zwei Konditionen die gleichzeitig vorkommen.
00:14:23: Ja das überhaupt.
00:14:24: also Wie werden Sie damit fertig?
00:14:27: Wenn jemand zu Ihnen kommt und sagt, ich hab da auf TikTok abcdefg gesehen.
00:14:32: Ich glaub, ich habe das und das.
00:14:33: Freut sie das oder nicht?
00:14:34: Ich würde es erst mal ernst nehmen.
00:14:37: Worauf bezieht sich derjenige oder diejenige auch?
00:14:40: welche Quelle bezieht er sich?
00:14:42: Und was ist an Symptomatik?
00:14:43: Auch da passt es in die Biografie rein.
00:14:47: Nur wenn man sich in etwas wiedererkennt, erspart es einem ja nicht eine komplette Diagnostik.
00:14:52: Es ist schon wichtig, dass man dann gute Diagnostik, mit der guten Differenzialdiagnostique durchgeht und nochmal guckt.
00:15:00: Was hat das mit meiner eigenen Lebensgeschichte zu tun?
00:15:03: Was erklärt das Ganze?
00:15:04: Muss da auch sehr vorsichtig sein, dann schnell eine willkommene monokausale Erklärung für was zu haben für die Besonderheiten des eigenen Lebens, was es häufig halt so nicht so trifft.
00:15:13: Also ich würde es auf jeden Fall ernst nehmen und dann im Anschluss gucken, was ist diagnostisch auch dran?
00:15:21: Das einzige Problem, was wir haben ist, dass wir nicht mehr hinterherkommen.
00:15:26: Der Anrang an Nachfragen ist wirklich groß und klar, weil wir wissen ja, bei ADHS zum Beispiel mal wachsende Alter sind so die Häufigkeiten zwei bis drei Prozent beim Autismus gibt man von einem Prozent aus das heißt es sind schon relativ viele Menschen betroffen und es gibt dann doch vergleichsweise wenig Anlaufstellen die eine Diagnostik anbieten.
00:15:46: Die Farbe in den sozialen Medien ist das subjektive Erlebensweisen, die dort geschildert werden.
00:15:54: Das ist dann als Faktenwissen präsentiert wird und dann ganz schnell Verhaltensweisen beschrieben werden, die dann im Zusammenhang also pathologisiert werden auch... die dann ganz schnell mit einer psychischen Erkrankung in Verbindung gebracht werden.
00:16:08: Ab dem Moment finde ich das auch schwierig, weil dann sehr viele Menschen sich im psychischenerkrankungen wiederkehren – dem Fall ADS und Autismus – und dass bei einem größeren Teil gar nicht so zutrifft.
00:16:22: Ja genau!
00:16:24: Also vielleicht sollten wir noch mal beschreiben wie es überhaupt zu diesem nicht ganz sauberen Einschätzung kommt?
00:16:33: also zu denen nicht ganz korrekt eine Einschätzung kommt.
00:16:35: Also das eine ist ja, jemand ist betroffen und erzählt über sich.
00:16:38: Das ist glaube ich so ein Einfall und unterschätzt vielleicht auch die Macht, die er dadurch hat?
00:16:46: Ich glaube schon dass es einen ganz wichtigen Faktor ist, dass gerade wenn man jetzt auf TikTok schaut der große Teil von Menschen die da content bereitstellen sind Betroffene die natürlich stückweise Informationen von sich darstellen können, aber die natürlich auch vielleicht auf das fokussieren was gerade in der jetzigen Lebenssituation besonders aktuell ist.
00:17:09: Das heißt die wenigsten Content Creator haben ja irgendwie den Auftrag dass sie ein umfassendes Wissenschaftlich ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber sachlich fundiertes Komplettbild von Autismus und ADHS geben.
00:17:26: Sollen Content-Creator wollen ja viel Content produzieren und so geben sie halt immer wieder tägliche Einblicke in aktuelle Situationen die dann aber dem Zuschauer sozusagen nur sehr bruchstückhaft präsentiert werden.
00:17:44: das heißt die Spierigkeit ist dass sich kein Gesamtbild daraus ergibt.
00:17:48: Das ist ja ein Ausschnitt aus einer persönlichen Lebenssituation oder eine Interpretation, natürlich das ist total wichtig war es einen entstigmatisierten Charakter dann auch hat wenn man Betroffenen kennenlernt der dann aus seiner eigenen Lebenswelt berichtet.
00:18:02: gleichzeitig lässt sich das nicht auf andere übertragen.
00:18:04: teilweise werden auch Dinge vermischt oder einfach falsche Fakten anfangs Zeichen dann auch genannt.
00:18:11: Und ab da wird schwierig, wenn es nicht klar gekennzeichnet ist als eine subjektive Erlebensweise die jetzt gerade eben geschildert wird.
00:18:18: Ja genau, falsche Darstellung, Abraten und Zuraten zur Medikamenten zum Beispiel?
00:18:25: Also ein Beispiel von vielen.
00:18:28: Also dass man sagt das wirkt gar nicht oder nimmt das das wirk stattdessen.
00:18:33: Ja,
00:18:34: auch das ist natürlich ein großes Problem.
00:18:37: Gerade die Wirkung von Medikamenten sind sehr unterschiedlich von Person zu Person.
00:18:43: Das erlebe ich auch durchaus des Patienten.
00:18:45: dann irgendwie zu einem kommen und sagen, Mensch da habe ich gehört dem hat das geholfen dass wir jetzt auch mal ausprobieren was natürlich gar nicht bedeuten muss das ist auch das richtige Medikamente für diese Person.
00:18:54: Ich meine nun Social Media ist ja etwas ist ja ein Bestandteil unseres Lebens inzwischen.
00:19:03: Die Zahnpasse ist ja nicht in die Truppe zurückzubringen sozusagen.
00:19:07: Wie soll ich denn, oder sagen wir mal... Was würden Sie sich denn wünschen?
00:19:13: Also kann man das besser kanalisieren?
00:19:15: Sollte man das?
00:19:16: Ich finde es erstmals auch sehr wertvoll.
00:19:19: Die Anregung, die man dort kriegt wie gesagt die Erlebensweisen, vielleicht auch neuere Erkenntnisse, da gibt's auch sehr gut gemachte Kanäle auf den sozialen Medien was mit dem Zugewin dann auch verbunden ist.
00:19:36: Ich finde es nur wichtig, klar zu differenzieren, was von fachlichen Hintergrund hat man selber?
00:19:42: Was schildert man?
00:19:43: und wenn man dann etwas präsentiert, dass man eine Quellenangabe hinterlässt auf das man sich da bezieht?
00:19:49: Dass es klar wird, dass es ein objektivierbares Wissen oder vielleicht auch auf Studien sich bezogen – und das ist meine subjektive Erlebensweise!
00:20:00: Das wäre dann die Erwartung an den, der den Content herstellt.
00:20:06: Es ist aber keine Forderung an ihn.
00:20:08: Wäre er nicht gesetzlich verpflichtet dazu?
00:20:10: Nein, das wäre sehr hilfreich auch für Betroffene oder mutmaßlich Betroffenes einschätzen zu können was wird da präsentiert.
00:20:19: Ich glaube für die Nutzer wäre es gut... wenn sie sich über eine bestimmte Erkrankung oder ADHS- oder Autismus informieren wollen, dass sie da auch ein bisschen systematisch vorgehen.
00:20:31: Ich glaube gut ist es, wenn man vielleicht erst mal andere Quellen nutzt um so wirklich ein umfangreiches Basaleswissen zu bekommen.
00:20:38: Das ist ja auch durchaus im Netz verfügbar.
00:20:41: das ist vielleicht von Autismus Deutschland wo ja doch gutes Fachwissen auch präsentiert wird Wo man die wichtigen Fakten gebündelt sozusagen auf einen Blick hat.
00:20:52: Ich glaube, das ist gut um sich da so ein gewisses Grundwissen anzueignen und ich glaube Social Media ist dann gut, um dieses Grundwissens mit Leben zu füllen.
00:21:00: Dass man sieht wie können bestimmte Symptome tatsächlich im Alltag präsentieren?
00:21:06: Und wie geht es den Menschen damit?
00:21:11: Trotz des enstigmatisierenden Charakters, es sind nicht alle Menschen mit ADS oder Autismus hochfunktionalen können sowas machen.
00:21:18: Also die Betroffenen in den sozialen Medien auf den Kanälen sind meistens Menschen, die ein sehr hohes Leistungslevel dann auch haben.
00:21:26: das trifft... Einige oder auch viele von denen, mit die zu uns in die Sprechstunden kommen, halt auf die nicht so zu.
00:21:33: Und kann man auch vorstellen, dass sie sich dann nicht gesehen fühlen?
00:21:36: Oder vielleicht auch in dem subjektiven Leidensdruck der empfunden wird und den Einschränkungen, das Sie da gleich gesehen werden?
00:21:42: Ja also was eben ansprachen... Auf welchen Seiten man sich erst einmal informieren sollte wenn man überhaupt Interesse hat.
00:21:50: Vielleicht können wir das nochmal so zum Abschluss besprechen.
00:21:53: Also was Sie zum Beispiel eben sagten sind ja glaube ich Interessensseiten, also Selbsthilfe-Seiten vielleicht auch?
00:22:00: Oder...
00:22:01: ARIA ist Deutschland's Selbsthilfeseiten.
00:22:03: Vielleicht die offiziellen Seiten von Fachgesellschaften, dass man da mal drauf guckt.
00:22:08: Da gibt es sehr gute Informationen, die man kriegen kann.
00:22:11: Auch Wikipedia
00:22:12: ist heute durchaus eine Quelle, die verlässliche Informationen bietet
00:22:17: Genau.
00:22:17: Und sind von da aus dann weiterzusehen, wie man und eben nicht alles zu glauben oder vielleicht so kann man auch sagen guckt mindestens drei Videos an?
00:22:30: Ja das macht sicherlich Sinn dass man da ein Gesamtbild mehr bekommt und ein Stück weit auf den gesunden Menschenverstand hören.
00:22:38: Mir ist vor kurzem jetzt ein Video begegnet, da bin ich hellhörig geworden wo jemand meinte, wo auch gar nicht der berufliche Hintergrund beim Profil irgendwie so richtig zu sehen war dass man ADHS am Gesichtsausdruck irgendwie erkennen könnte.
00:22:52: und also die meisten werden da wahrscheinlich schon sich fragen, hm?
00:22:56: Ist das denn irgendwie seriös?
00:22:58: Und da würde ich sagen stückweit auf den Gesunden Menschen Verstand hören.
00:23:02: sowas ist natürlich überhaupt nicht seriöse.
00:23:04: Ja, ja.
00:23:05: Einfach kritisch sein.
00:23:06: und wie gesagt man hat manche Fundstücke die sind sehr gut und das total bereichernd und bei anderen halt ist es weniger der Fall.
00:23:14: aber einfach nur mal gucken was steckt hinter diesem Kanal wer präsentiert das?
00:23:19: Und wie stellt jemand das da, was er darstellt?
00:23:24: Vielen Dank für das interessante Gespräch!
00:23:28: Sehr gerne!
00:23:29: im nächsten Podcast.
00:23:35: Wirten Sie gesund!
Neuer Kommentar